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Salterioworkshop mit Franziska Fleischanderl

Samstag 8.10.2022, 7.58 Uhr - Ich steige am Münchner Ostbahnhof in die Westbahn nach Wien. Um 9.21 Uhr werde ich in Salzburg aussteigen. Eigentlich wär’s bereits gestern nach Basel gegangen, doch der Salterioworkshop mit Franziska Fleischanderl an der Schola Cantorum Basiliensis wurde seitens des Veranstalters abgesagt.



Franziskas Idee: nachdem alle Anmeldungen zum Workshop aus München und Salzburg kommen, organisieren wir den Workshop privat und treffen uns am geplanten Wochenende in Salzburg.


Um 10 Uhr geht es los für uns fünf und dann heißt es erst einmal Fingernägel feilen und polieren.





Franziska erzählt währenddessen von ihrer Forschungsarbeit. Insgesamt drei Spieltechniken können historisch belegt werden. Das Battuto-Spiel, also das Spiel mit Schlägeln, das Spiel mit Fingerringen, sogenannten Ditali und das Fingerpizzicato mit möglichst rund gefeilten Fingernägeln. Als erstes Stück zum Ausprobieren nehmen wir uns ein Menuett aus dem Notenbüchlein der Maria Constantina Voglerin vor.

Der besondere Bewegungsablauf bei Fingerpizzicato muss geübt sein:

Die Finger sollen möglichst von oben kommen. Die Hand fließt gerade aus dem Arm, ohne Knick im Handgelenk. In der Ausgangslage übt der Zeigefinger einen leichten Druck auf die Saiten aus, dann folgt eine Bewegung aus dem Fingerknöchel und der Nagel streicht leicht schräg über alle Saitenchöre. Durch den leichten Druck auf die Saite klingt der Ton voll und weich. Handgelenk und Unterarm sind entspannt aber bleiben stabil. Franziska unterstützt uns tatkräftig und gibt individuell Hilfestellung. Als nächstes nehmen wir die Mittelfinger dazu und dann probieren wir auch noch "Gabelgriffe" mit Zeigefinger und Daumen. Jede Menge Input also. Natürlich wollen alle das neu Erlernte gleich in mitgebrachten Stücken ausprobieren. Also geht's weiter mit Einzelunterricht. Franziska gibt super Tipps. Es ist erstaunlich, wie schnell sich der Klang bei allen verändert. Minimale Anpassungen in Anzupfwinkel und Geschwindigkeit sind sofort vernehmlich.



Nach dem gemeinsamen Mittagessen steht der Nachmittag dann im Zeichen der Ditali. Ein paar dieser Fingerringe sind erhalten geblieben. Franziska hat diese nachbauen lassen und mit verschiedenen Federkielen experimentiert. Jetzt haben wir die Gelegenheit diese auszuprobieren.

Der Klang des Pizzicato mit Ditali ist deutlich heller und schärfer als der mit den Fingernägeln.




Im Anschluss gibt es dann wieder Einzelstunden und Franziska arbeitet mit uns an den vorbereiteten Stücken.


Am Ende des Tages sind dann alle ganz schön geschafft und nach einem gemeinsamen Abendessen mit anregenden Gesprächen und dem, für uns so wichtigen Austausch über unser Instrument und unsere Arbeit, geht es in unsere Hotels.


Am Sonntag um 10 treffen wir uns wieder. Franziska packt erst einmal ihr Werkzeug aus. Sie zeigt uns wie man die Federkiele für die Ditali richtig zurecht schneidet. Dazu hat sie über Nacht eine Gänsefeder in Wasser eingeweicht; das macht den Kiel besonders flexibel. Mit einem scharfen Chirurgenmesser werden nun Stück für Stück Fasern vom Federkiel abgetragen bis nur noch eine leicht gewölbte Hälfte übrig bleibt. Dieser Kiel kann nun in die Halterung der Ditali eingepasst werden. Ist der Kiel dann wieder ausreichend getrocknet, kann er wie ein Fingernagel mit der Feile geglättet und poliert werden.





Besonders spannend ist auch unser nächster Programmpunkt. Wir vergleichen die verschiedenen Salteri miteinander. Insgesamt haben wir sieben verschiedene Instrumente zur Auswahl: Franziskas historisches Salterio von Michele Barbi, ein Instrument aus der Werkstatt von Massimo Monti in Rom, ein modernes Salterio von Herbert Rust, eines von Klemens Kleitsch, ein Instrument von Reinhard Hoppe und zwei Nachbauten von Antonio Berera aus der Werkstatt von Christian Fuchs. Der Klang der Instrumente ist unglaublich vielgestaltig. Manche haben einen weichen Klang, andere sind eher hell und etwas schärfer. Natürlich probieren wir auch jede Menge Schlägel aus.



Dann geht es wieder in die Einzelarbeit. Franziska arbeitet sehr detailliert mit uns an einzelnen musikalischen Phrasen. Sie hat wahnsinnig viele Ideen und hilfreiche Tipps und schon nach wenigen Minuten hört man deutliche Unterschiede.



Auch am Sonntag arbeiten wir wieder bis abends. Als ich dann um 18.39 Uhr in den Zug zurück nach München steige, bin ich doch etwas erschöpft, aber ganz erfüllt von den Eindrücken eines fabelhaften musikalischen Wochenendes in Salzburg ganz im Zeichen des Salterios.


Mehr über Franziska Fleischanderl und ihre Arbeit findet ihr hier: https://salterio.at

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